Freitag, 22. Mai 2015

[Urlaub] Italienimpressionen

Um mich wieder aufs Bloggen einzustimmen, nehm ich euch mit nach Norditalien, wo wir ein paar Tage verbracht haben.

Cividale del Friuli, ein malerischer kleiner Ort, hier von der Teufelsbrücke aus fotografiert. Mit vielen kleinen Gässchen wunderbar zum Bummeln geeignet.



Ein paar Kilometer außerhalb von Cividale liegt hoch oben auf einem kleinen Berg ein Dom. Empfangen wird man von dieser Blütenpracht.


Immer wieder ein kulinarisches Highlight ist Padua. In seinem Herzen steht ein großer Palazzo, in dessen Arkaden auf beiden Seiten Lebensmittelhändler untergebracht sind. Die Qualität, die man dort kaufen kann, ist sehr erfreulich, auch immer mehr bio findet man.

Und weil es die Italiener mit dem Essen schon viel genauer nehmen als viele Österreicher, reicht in Padua der Platz in den Arkaden nicht aus, sondern auf der einen Seite des Palazzos ist der Früchte-Platz, auf der anderen der Kräuter-Platz. Auf beiden Plätzen sind tolle Obst- und Gemüsemärkte angesiedelt.


Immer, wenn wir dort sind, fallen wir in Triest ins Caffé degli specchi rein, um uns einen kleinen Imbiss zu gönnen - zwar immer geschmalzen teuer, aber wenn man die vielen Glückshormone bedenkt, die man quasi mit serviert bekommt, jeden Cent wert.


Gorizia gehört zu den hübschen kleinen Orten, die man nicht versäumen sollte, wenn man im Friaul ist. Hoch drüber thront eine Burg mit dieser Kapelle. Allein wegen des Ausblicks über die Collio, die Weinberge, die sich Italien und Slowenien teilen, muss man da unbedingt rauf.


Ein grandioser Abschluss war unser Ausflug nach Marano lagunare, einem Fischerdörfchen, das fast nur aus Fußgängerzone besteht. Entsprechend nett ist es, dort herumzuspazieren. Essen waren wir in der Trattoria alla Laguna, die ich wärmstens empfehlen kann.


Norditalien ist wirklich eine Reise wert. Aber für jetzt dreh ich das Licht ab und berichte hoffentlich bald von einem anderen Reiseziel.

Dienstag, 19. Mai 2015

Amputiert




Da wär ich wieder. Es sind zwar alle Körperteile noch da, aber der Teil in meinem Leben, das Lebewesen mit dem ich mit Abstand die meiste Zeit in den letzten 15 Jahren verbracht habe, fehlt seit Anfang Mai. Und ich laboriere an Fantomschmerzen, als wäre mir etwas amputiert worden.

Ab dem Moment, in dem man ein Tier ins Haus holt, weiß man, dass man es überleben wird - wenn man Glück hat. Trotzdem will man es nicht wahr haben, wenn es dann so weit ist. Eine Freundin hat mir einen schönen Satz von Kafka gesagt: Man sieht, wie die Sonne langsam untergeht, und erschrickt doch, wenn es dunkel ist.

Der Turbohausmann und ich sind, nachdem wir uns einigermaßen wieder gefangen hatten, nach Italien geflüchtet, daher auch mein Schweigen am Blog. Nun sind wir wieder da und machen halt einfach weiter. Hilft ja nix, denn die Welt dreht sich nach wie vor ...


Mittwoch, 6. Mai 2015

[Rettungsaktion] Schoko-Espresso-Pudding mit Salzkaramellsauce

Das ist ein Rezept, das bei uns schon einen fixen Platz am Speiseplan hat. Bisher habe ich mich ganz an das Rezept von Petra gehalten, aber dieses Mal soll der Pudding ja Teil einer Aktion sein, in der wir klassisches Essen vor der Fertigfutterindustrie retten, und im Originalrezept ist Löskaffee drinnen. Ich halte Löskaffee jetzt nicht für das Übel schlechthin, aber für mich hat es bei so einer Aktion dann doch nichts zu suchen, also habe ich richtig schönen, frisch gemachten Espresso verwendet.



Für 4 Portionen (bei Petra 6 Portionen, aber bei uns sicher nicht ;) )

Pudding:
50 Gramm Dunkle Kuvertüre (75% Kakao); fein gehackt
200 ml Milch
50 ml starker Espresso
2 TL Kakaopulver
20 Gramm Speisestärke
30 Gramm brauner Zucker
150 Gramm Schlagobers

Sauce:
50 Gramm brauner Zucker
120 Gramm Schlagobers
120 Gramm Milch
1/4 TL Salzflocken (Fleur de Sel, Maldon Sea Salt oder so irgendwas)
1 TL Speisestärke

Für den Pudding 50 ml kalte Milch mit der Speisestärke verrühren. Die restliche Milch mit Zucker, Espresso und Kakakopulver unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Die Speisestärke noch einmal aufrühren und mit dem Schneebesen unter die kochende Milch-Espresso-Masse einrühren. Wenn die Masse eingedickt ist, kann man zu rühren aufhören und den Topf vom Herd nehmen. Man muss nun immer wieder mal durchrühren, damit sich keine Haut bildet.
Währenddessen das Schlagobers schlagen und unter den lauwarmen Pudding heben. Die Masse nicht weiter abkühlen lassen, denn man will sie ja noch in Dessertgläschen oder -schälchen gießen können! Die befüllten Gläschen/Schälchen kalt stellen.

Für die Sauce den Zucker karamellisieren lassen. Mit Schlagobers und Milch ablöschen, etwa 5 Minuten köcheln lassen, bis sich der Karamell aufgelöst hat. Die Stärke in wenig kaltem Wasser anrühren und so viel davon zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Ich gebe das Salz erst jetzt dazu, damit sich die Kristalle nicht vollkommen auflösen.
Die Sauce in ein Kännchen gießen. Immer wieder umrühren von wegen Haut.

Zum Servieren ein wenig Sauce auf den Pudding geben, den Rest in einem Kännchen dazu servieren.
Uns schmeckt es am besten, wenn der Pudding kalt und die Karamellsauce noch lauwarm ist. Da könnte ich mich eingraben!

Der Pudding ist nicht sehr süß, die Süße kommt vielmehr von der Sauce. So ein Löffelchen mit zwei Drittel Pudding und einem Drittel Sauce drauf ist ein kleines Himmelreich!




Dieses Mal mit dabei bei der Rettungsaktion sind folgende Blogs (wird nötigenfalls ergänzt oder geändert):
Giftige Blonde
Jankes Soulfood
Andy von lieberlecker
Kleine Chaosküche
Hardy Welker
Kochen mit Herzchen
Barbaras Spielwiese
Rohstoffverarbeitender Betrieb
Zorra aus dem Kochtopf
Paprika meets Kardamom
Anna Antonia
Schmeckt nach mehr
Verboten gut
kebo homing
Obers trifft Sahne
Genial lecker
Widmatt



Samstag, 2. Mai 2015

Rucola-Pesto

Ein Rezept kommt noch aus dem Kochbuch The Art of Simple Food, dann geb ich Ruhe. Aber dieses Pesto ist so vielseitig anwendbar, dass ich es einfach samt Anwendungsbeispielen noch zeigen muss.

2 geschälte Knoblauchzehen und Salz im Mörser pürieren. 5 EL leicht angeröstete Walnüsse dazugeben und zerstoßen. 30 g geriebenen Parmesan oder Pecorino unterrühren. Alles in eine Schüssel geben.
2 Handvoll junge Rucola-Blätter waschen und trocknen. Rucola grob hacken, dann im nun leeren Mörser zu einer Paste zerstoßen. Danach unter weiterem Mörsern 120 ml Olivenöl zugießen.
Alles vermischen und abschmecken.



Das erste Foto ist sicher selbsterklärend: Pesto als Brotaufstrich. Das ist immer der Härtetest, den Pesto bei mir bestehen muss. Und natürlich hat dieses Pesto bestanden!


Auch dieses Foto ist klar, nehme ich an: Wir haben Spaghetti mit dem Pesto gegessen.



Und dieses Essen ist nun meine Eigenkreation. Bei mir ein Pflichtrezept für die Bärlauchzeit, aber dieses Mal habe ich statt Bärlauchpaste das Rucola-Pesto verwendet und nur Kürbiskerne. War ausgezeichnet!
Und wer nicht auf die Links clicken mag, kriegt das Rezept von mir hier reinkopiert.


Zutaten für 4 Portionen:
4 große dünne Rindsschnitzeln
4 Esslöffel von meiner Bärlauchpaste  Rucola-Pesto

4 EL Kürbiskerne
ca. 100 g Rohschinken
2 Schalotten
1 Bund Suppengemüse
1/8 l Rotwein
1/8 l Holundersaft
1/8 l Gemüsesuppe
2 TL Maizena
1 Lorbeerblatt
ein paar Thymianzweige
Salz, Pfeffer
Sonnenblumenöl

Kürbiskerne rösten. Das Fleisch salzen und pfeffern, mit dem Rohschinken belegen, auf jedes Rindsschnitzel 1 EL Bärlauchpaste Rucola-Pesto streichen, darauf die Kürbiskerne streuen. Fleisch einrollen und entweder mit Rouladennadeln zustecken oder mit Küchengarn binden. Rundherum in heißem Öl anbraten, Rouladen aus der Pfanne heben, klein geschnittene Schalotten im Bratenrückstand anschwitzen, das würfelig geschnittene Suppengemüse mitrösten, mit Rotwein und Suppe aufgießen. Thymian und Lorbeerblatt dazugeben, Fleisch in die Soße legen und ca. eine Stunde dünsten. Ab und zu wenden. Den Saft abseihen und die Rouladen warm stellen. Der Saft sollte ca. auf die Hälfte eingekocht sein. Wenn nicht, noch etwas Suppe zugießen. In den kalten Hollersaft 2 TL Maizena einrühren - kalt deshalb, weil Maizena sich sonst nicht gut auflöst - und zum Bratensaft gießen. Einkochen lassen, Rouladen noch einmal erwärmen, servieren.
Dazu Nudeln oder Erdäpfeln und gedämpftes Gemüse und/oder Salat, bei uns Rucola.

Lasst's euch's gut schmecken!

Donnerstag, 30. April 2015

Zuckererbsen-Slaw

Hier kommt das von meiner Leserin Kathrin gewünschte Rezept aus dem Kochbuch The Art of Simple Food. Wie die Rezepte im Kochbuch ist auch dieses einfach, leicht nachzumachen und die Kombination ist überzeugend. Die wenige Arbeit kann man auch noch teilen, das heißt, man kann das Blanchieren der Zuckerschoten irgendwann vorher machen, nur die Vinaigrette sollte man erst im letzten Moment über die Schoten geben, damit sie ihre schön grüne Farbe nicht gegen ein unansehnliches Grüngrau eintauschen.


350 g Zuckerschoten putzen, also den Blütenansatz kappen, wenn nötig die seitlichen Fäden abziehen. Kurz (weniger als 1 Minute) in kochendes Wasser geben. Ich habe die Schoten mit Eiswasser abgeschreckt, im Kochbuch werden sie lediglich auf einem Teller zum Abkühlen ausgebreitet, also scheint das zu reichen, um die Farbe zu erhalten. Bei mir war das so eine automatische Erbsen-Immermach-Sache mit dem Abschrecken, dass mir das einfach passiert ist. Wenn die Schoten ausgekühlt sind, schneidet man sie schräg in Streifen.
4 Radieschen in dünne Scheiben schneiden - am besten hobeln,  dann werden die Scheibchen gleichmäßig.
Vinaigrette aus der abgeriebenen Schale einer halben Bio-Zitrone, 1 EL Zitronensaft, 1 TL Weinessig (rot oder weiß), Salz und frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer gut mischen. Dazu kommen 1 EL grob gehackter Kerbel oder Minze und 1 EL in feinste Streifen geschnittene Petersilie.
Alles vermischen, sofort servieren.


Bei der Vinaigrette dachte ich, da fehlt sicher Öl, habe den Salat aber genau so nachgemacht und muss sagen, da geht einem nichts ab! Der Salat ist wunderbar erfrischend, also ein wunderbarer Frühsommersalat.
Als Variante wird noch angeführt, man kann eine Karotte in dünne Scheiben und dann in feine Streifchen schneiden, 1 Minute blanchieren, zu Erbsen und Radieschen geben.

Dass ich Text und Zutatenliste nicht extra geschrieben habe, ist Absicht: Genau so wird das bei vielen Rezepten im Buch gehandhabt.

Dienstag, 28. April 2015

[Buchbesprechung] The Art of Simple Food - Rezepte und Glück aus dem Küchengarten

Es gibt nur sehr wenige Kochbücher, die ich für verzichtbar halte. Die meisten sind gut, ich kann aus fast allen noch etwas lernen, sie sind schön anzuschauen. Und dann gibt es noch die Perlen, die nimmt man in die Hand und kann sie nicht mehr weglegen. So geschehen bei dem Buch The Art of Simple Food von Alice Waters.

Jedenfalls ich hatte gerade die Post aufgemacht, setzte mich hin, um das angekommene Buch durchzublättern, nahm ein Stück aussortierter Post, steckte es als Erinnerung in das Buch, ein paar Seiten später schon wieder ein Blatt Papier, das ins Buch wanderte, irgendwann hatte ich alle unbrauchbare Post aufgebraucht und ich begann, die Zettelchen in Stückerln zu reißen. Ich war so im Bann, dass ich die Zeit übersehen habe. Als ich dann kein Fetzerl Papier mehr zur Hand hatte, fiel mir auf, wie lange ich da nun bei dem Buch gesessen hatte!
Hier auf dem Foto fehlen schon etliche meiner Zettelchen, weil ich so viel nachgekocht habe aus dem Buch.




Ich muss zuerst ein paar der Gerichte, die ich gekocht habe, kurz beschreiben:



Topinambur-Fenchel-Suppe
Der Trick an dieser Suppe ist, dass der Fenchel erst am Ende der Garzeit dazugegeben wird. Dadurch, dass der Fenchel nur 4 min. gart, hat man noch den vollen Fenchelgeschmack. Eine wunderbare Suppe, in der ich meine letzten, winzigen Balkonien-Topinambur-Knöllchen verarbeiten konnte.

Rote Linsen-Dal mit Kohlrabi
Für mich neu war, dass man in der indischen Küche viel mit Kohlrabi arbeitet - das finde ich an dem Buch sehr sympathisch, dass solche kleinen Hinweise immer wieder zu finden sind. Wenn man in der Küche eines bestimmten Landes nicht so firm ist wie ich bei der indischen, wird auch dazu geraten, was man am besten zu dem Gericht isst.

Sehr fein war die Gewürzmischung aus Senfsamen, Korianderkörnern und Kreuzkümmel, die man am Ende der Garzeit über die Suppe gibt.


Indische Karotten-Raita
Die passt sehr gut zu dem eben erwähnten Linsen-Gericht. Ich bemühe mich immer sehr, wenn ich für eine Kochbuchrezension koche, die originalen Zutaten zu verwenden und genau nach Rezept vorzugehen, um eben wirklich austesten zu können, wie das Rezept schmeckt und ob die Anleitung stimmt. Hier konnte ich trotz langem Suchen das Korianderkraut, das in die Raita gehört, nicht finden. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass diese Raita auch ohne Koriander mit dem feinen Königskümmel drinnen zu unseren Favoriten gehört, die immer wieder auf den Tisch kommen.

Rucola-Pesto
Für den Winter, wenn es kein Basilikum gibt, ist Rucola ein köstlicher Ersatz im Pesto. Mit gerösteten Walnüssen wird gleich noch eine einheimische Zutat verwendet. Das Pesto musste ich natürlich gleich verkosten, daher ist es auf dem Foto auf einem Stück Brot zu sehen. Macht sich sehr gut als Brotaufstrich, sehr gut zu Spaghetti und auch sehr gut als Würzpaste.



Zuckererbsen-Slaw
Auf die Idee, aus Zuckererbsen einen Salat zu machen, bin ich noch nie gekommen. Hat aber sehr gut gepasst und mit den vielen Kräutern und der Zitronenschale drinnen, dazu die knackigen Radieschenscheiben - köstlich!










Fenchel-Zitronen-Relish
Ein ganz feines und frisches Relish ist das geworden! Einerseits ein bissi Salat, andererseits sehr würzig. Wird ganz sicher in der Grillsaison öfter zum Einsatz kommen. Zu Fisch, Meeresfrüchten und hellem Fleisch passt das sicher sehr gut.

Das Rezept kann man schon bei Bushi nachlesen: click





Karottenlocken
Als ich die Anleitung zu den Karottenlocken las, musste ich ein bissi lächeln, da ich vorher diesen Artikel gelesen hatte. Alice Waters schreibt nämlich, sie gab ihrer Tochter gern in die Schule Karottenlocken und ein Gläschen Vinaigrette mit, was diese immer sehr gemocht hatte. Das erinnerte mich an das Foodbloggermama-Znüni im Artikel ...Ich hatte mich hier schon an Karottenlocken versucht und war kläglich gescheitert. Dieses Mal haben sich die Karotten tatsächlich großteils brav eingeringelt, Alice Waters legt sie aber auch eine Stunde in Eiswasser, bei dem von mir versuchten Rezept waren es nun 20 Minuten.
Wie es geht? Einfach mit dem Sparschäler die Karotten in dünne Streifen schneiden, in Eiswasser legen und nach einer Stunde nach Lust und Laune marinieren, hier gemischt mit Salaten von Balkonien - wie sich das so gehört natürlich aus eigenem Anbau, wie Alice Waters das auch macht. Nur hat sie ein bissi mehr Platz für ihr Gemüse, denke ich mal.


Hummus mit Salzzitrone
Was das Spezielle an diesem Hummus ist, steht schon im Namen: Salzzitrone. Sie gibt dem Hummus einen wunderbaren Frischekick, zusätzlich noch relativ viel Zitronensaft und schon hat man ein Hummus ganz nach meinem Geschmack!

In Salz eingelegte Kumquats
Dazu kann ich eigentlich noch nichts sagen, da ich die Kumquats ganz frisch eingelegt habe und sie noch durchziehen müssen.
Zu machen sind sie ganz einfach: Kumquats waschen und abtrocknen. Jede Frucht mit zwei Schnitten einschneiden, in jeden Schnitt Salz streuen. Am Boden eines Glases 1 cm Meersalz streuen, die eingesalzenen Kumquats dicht in das Glas quetschen - man soll die Früchte drücken, damit ein wenig Saft austritt. Dann kommt frisch gepresster Zitronensaft dazu, oben drauf wieder 1 cm Meersalz. Das Glas lässt man anfangs bei Zimmertemperatur stehen, dann kommt es in den Kühlschrank und zieht dort weiter durch.
Ich bin schon ärgstens gespannt, wie diese Kunmquats schmecken werden! Erwarten tu ich mir jedenfalls eine Menge.



Zur Autorin: Alice Waters ist Vizepräsidentin von Slow Food (Vorwort im Buch von Carlo Petrini, Gründer von Slow Food International), hat der First Lady zu einem Küchengarten verholfen, ist erfolgreiche Betreiberin des Restaurants "Chez Panisse" in Berkeley, wo sie auch einen Garten hat, aus dem die Zutaten für das Lokal stammen. Mit viel Liebe und Leidenschaft vertritt sie die These, dass alle Zutaten frisch, regional, biologisch und saisonal sein sollen. Und genau so ist es, wie ich gern koche.

Und nun wäre es eigentlich an der Zeit, meine Punkte zu vergeben. Das gäbe aber genau Null Punkte für die Fotos, denn es gibt keine in dem Buch. Das stellt mein Punktesystem total in Frage, denn das ganze Buch ist mit liebevollen Zeichnungen versehen - Zeichnungen von den Pflanzen, ihren Blüten, den Früchten, niemals vom Essen. Wer also Deko-Ideen sucht oder danach, wie man Essen schön anrichtet, ist an der falschen Adresse. Wer sich aber mit verschiedenen Gemüsesorten auseinandersetzen will, sehen will, wie Bohnen in ausgereiftem Zustand in der Hülle ausschauen, die Unterschiede zwischen den unzähligen Blattsalaten erkennen will, für den ist es genau passend.

Auf drei Seiten beschreibt Alice Waters ihren Küchengarten und wie alles begann, dann geht es schon los mit Rezepten. Gegliedert wird nach Zutaten: Den Beginn machen Kräuter, gefolgt von Salaten, "geheimen Helden" (Lauchgewächse), unterirdischen Schätzen (Wurzeln und Knollen), knackigen Stängeln, Bohnen, typischen Hochsommersorten, Zichorien, Kohlsorten, Obst und Nüssen. Es werden Konservierungsmethoden vorgestellt und schlussendlich wird beschrieben, wie man einen Garten anlegt und wie man auch mit dem kleinsten Fleckchen Erde etwas anfangen kann. Also alles da, was ich brauche zu meiner Glückseligkeit.

Die Rezepte sind gar nicht kompliziert - das Buch heißt ja auch genau so - und wirklich raffiniert. Was mir so gefällt sind die vielen Ideen, die Alice Waters so nebenbei einfließen lässt, sodass aus einem Rezept durchaus gleich drei werden können.

Auch wenn das nun so scheint: Es ist kein vegetarisches oder veganes Kochbuch. Es gibt wenige feine Fleisch- und Fischgerichte in dem Kochbuch. Der Schwerpunkt liegt aber auf jeden Fall auf dem Gemüse, Obst kommt in zweiter Linie, viele andere Sachen kommen auch, aber mit wenigen Rezepten.

Die Aufmachung des Buches ist schlicht - nix mit Hochglanz, nix mit Prunk und Protz, ihren sicher vorhandenen Promi-Bonus spielt Alice Waters in keiner Weise aus, was ich sehr sympathisch finde. Wollte man unbedingt einen Schlechtpunkt finden, würde ich sagen, es fehlen Merkbändchen - aber bei der Masse an Rezepten, die ich mir gekennzeichnet habe, bräuchte ich derer mehr als ein Buchbinder einbauen könnte.

Und damit habe ich nun mein Punkte-System gleich wieder zu Grabe getragen. Ich kann nur sagen, dass dieses Kochbuch in jeden Haushalt einziehen sollte. Es weckt so viel Lust zum Kochen und Gärtnern und auch zum Experimentieren. Hätte ich eigentlich nicht extra schreiben müssen nach diesem Kochmarathon, oder? ;)

Nun meine Frage an alle, die hier mitlesen: Welches der gekochten Gerichte soll ich denn genauer vorstellen?

Titel: The Art of Simple Food
Autorin: Alice Waters
Verlag: Prestel
Umfang: 436 Seiten
ISBN: 978-3-7913-4991-6
Preis: € 34,95 (D), € 36,- (A)


Was es sonst noch zu sagen gibt: Bei mir sind Links keine Affilate-Links, das Buch wurde mir zur Rezension vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Freitag, 24. April 2015

[Restaurant] The Brickmakers



Der Turbohausmann wird auch nicht jünger. Zu seinem Geburtstag habe ich ihn in ein "Männerlokal" ausgeführt - ganz klare Prioritäten bei den brickmakers: Bier, Fleisch. Für die Sportbegeisterten gibt es in einem eigenen Raum mit Übertragungen von wichtigen Sportereignissen.

Ich war ganz ehrlich beeindruckt von der Bierkarte! Zum Glück der Turbohausmann auch. Zu 100 % kenne ich die Bier-Szene in Wien nicht, aber ich gehe fast davon aus, dass man nicht schnell woanders eine dermaßen umfangreiche Bierkarte findet.

Die Speisekarte ist dagegen übersichtlich, aber nicht minder fein. Alle Fleischgerichte werden gesmoked, mit Rotkrautsalat Red Slaw und hausgemachten Saucen serviert. Es gibt natürlich auch vegetarische Gerichte - ich glaube, ohne geht es nicht mehr bei einem guten Lokal. Aber deswegen waren wir nicht hier. ;)





Der Turbohausmann hat beim Brisket zugeschlagen. Ein ordentliches Trumm Fleisch, das 13 Stunden low & slow gesmoket war. Sehr zart, aber trotz der langen Garzeit mit einer schönen Fettschicht - so erkennt man, dass es wirklich "low" gesmoked war, denn anderenfalls wäre das Fett weg gewesen.

Mir hatten so viele Foodblogger in der letzten Zeit den Mund wässrig gemacht und ich habe Pulled Pork bestellt. Bitte! Das war so gut! Schön? No way! Aber da kann man ja ein paar Salatblättchen und Radieschenspäne drauflegen, dann schaut's auch hübsch aus. Nun bin ich also noch immer nicht aus dem Schneider, sondern muss dringender denn je selber Pulled Pork machen.

Die Beilagen: Für den Turbohausmann Baked Beans, für mich Kukuruz Corn on The Cob mit Cayenne-Mayo. Beides war genau so zum Niederknien wie die anderen Sachen. Der Mais mit der scharfen Mayo ist schon für das nächste Grillfest fix im Programm.

Sehr sympathisch: es gibt eine kleine Desserkarte, in der eigenes gekennzeichnet ist, dass man zu den Desserts richtiges Schlagobers ordern kann und "not that other shit", von dem ich mich eh immer schon gefragt habe, wie man das essen kann.

Wir haben uns dann noch an dem Schoko-Pekan-Pie und einer Zimtschnecke versucht, beides ohne Schlagobers, sind aber bei Halbzeit gescheitert, denn die Portionen sind riesig! Und erstaunlicherweise wurden uns die Reste in Alufolie eingepackt - wir bekamen also ein Bschoadpackerl, was ich sehr nett fand. Anscheinend kommt es öfter vor, dass bei den Gästen im Brickmakers die Augen größer sind als der Magen.

Das da ... Na ja ... Ich weiß schon, es ist derzeit Kult, dass man Getränke im Schraubverschlussglas serviert. So wirklich kann ich mich damit nicht anfreunden. Aber der Mehrheit scheint es zu gefallen, also nehme ich es hin, wenn ein Strohhalm dabei ist. Ohne wäre es mir unangenehm, aus so einem Glas zu trinken.

Unterm Strich ist nur zu sagen, dass man unbedingt einmal im Brickmakers gewesen sein sollte, wenn man auf Bier und Fleisch steht. Wir haben auf jeden Fall eine baldige Wiederkehr geplant.

Bis dahin trösten wir uns mit einer Flasche BBQ-Sauce, die man im Lokal erwerben kann und die wirklich toll schmeckt, also unbedingt mit und nach Hause gehen wollte.

Mittwoch, 22. April 2015

Knuspriger Tofu auf vietnamesische Art

Es trat etwas ein, was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich mag a) Tofu und b) vegan. Also nicht immer, aber immer öfter. Schuld daran ist Frau Shu-Chen, nach deren Tofu ich mittlerweile süchtig bin. War ich vorher schon froh, dass es Asia-Läden gibt, wo der Tofu eh so irgendwie brauchbar ist, weiß ich mittlerweile, welche Unterschiede es geben kann. Das mollige Mundgefühl von Frau Shu-Chens Tofu finde ich unübertroffen.

Dieses Rezept ist mir beim Googeln nach Rezepten mit Tofu über den Weg gelaufen und stammt von Wo der Pfeffer wächst. Was für ein toller Titel für einen Blog! Und das Rezept ist wirklich fein, auch wenn ich es mir anfangs so gar nicht vorstellen konnte. Ein bisschen was habe ich geändert, daher bitte für das Originalrezept dort hingehen, wo der Pfeffer wächst. ;)


Für 2 Personen:
300 g Tofu (fester, kein Seidentofu)
2 Zehen Knoblauch
1 Mokkalöfferl Safranfäden
3 Stängel Zitronengras
2 frische Chilis
1 TL Salz
1/2 TL Zucker
1 EL Sojasauce
1/2 Bund Frühlingszwiebeln
1 Hand voll geröstete Erdnüsse
Koriander zum Dekorieren
Erdnussöl zum Frittieren (bei mir 0,3 l)

Beilagen:
1 Tasse Reis, mit 2 Tassen Wasser gegart
1 kleiner Chinakohl, in geschmacksneutralem Öl gerührbraten (oder rührgebraten?), mit dunklem Reisessig und Miss Boulettes Wunderöl abgeschmeckt


Als erstes den Reis zustellen, dann wie bei fast allen Asia-Gerichten alle Zutaten herrichten und vorbereiten. Den Tofu in breite Streifen schneiden und auf Küchenrolle gut abtropfen lassen. Wenn er sehr feucht ist, mit einer Lage Küchenrolle oben drüber ausdrücken, damit es nachher keine heillose Spritzerei beim Frittieren gibt.

Chinakohl entblättern, waschen, in grobe Streifen schneiden, trockenschleudern.

Knoblauch schälen und fein hacken. Safranfäden mit dem Salz und dem Zucker im Mörser pulverisieren. Chili waschen und je nach gewünschter Schärfe mit oder ohne Kernen in feine Streifen schneiden. Frühlingszwiebel in Röllchen schneiden, weiße und grüne Teile in getrennte Schälchen geben. Zitronengras von den äußeren Blättern befreien, die harten Stiele entsorgen, der Länge nach vierteln, den Strunk herausschneiden und den verbleibenden Rest in hauchfeine Ringe schneiden, die dann noch ganz winzig hacken - Zitronengras ist relativ hart, daher muss man es so klein wie möglich machen, damit es kein unangenehmes Gefühl beim Essen gibt. Koriandernblättchen abzupfen, ganz grob zerhacken.

Das Öl in einer tiefen Pfanne erhitzen. Das Öl muss so heiß sein, dass am Stiel eines eingetauchten Holzkochlöffels Bläschen aufsteigen. Die Tofustreifen einlegen. Während des Frittierens immer wieder an der Pfanne rütteln und/oder die Tofustreifen mit einem Kochlöffel ein wenig bewegen, damit sie nicht festpicken.

Während man mit zwei Händen den Tofu zubereitet, mit den beiden anderen den Chinakohl rührbraten. ;)

Wenn der Tofu hellbraun gebraten ist, nimmt man ihn aus dem Topf und lässt ihn abtropfen.
1 EL vom Frittieröl nehmen und in einer neuen Pfanne heiß machen, Chilistreifen eine Minute braten, Knoblauchstückchen kurz mitbraten, eine halbe Minute später das Zitronengras und den weißen Teil der Frühlingszwiebel hinzugeben, schließlich die Mischung aus dem Mörser und 1 EL Sojasauce. Alles einmal aufkochen lassen.

Den rührgebratenen Chinakohl abschmecken und auf einer Platte anrichten. Tofustreifen neckisch drauf drapieren, die Zitronengrassauce über dem Tofu verteilen. Den grünen Teil der Frühlingszwiebel und den Koriander drüberstreuen, ganz zum Schluss die Erdnüsse oben drauf geben.
Mit dem Reis servieren.



Fertig in kürzester Zeit!
Im Originalrezept werden die Tofustreifen in der Zitronengrassauce geschwenkt. Das hätte ich mich ehrlich gesagt nicht getraut, weil mein Tofu da zerbrochen wäre. Es ist wirklich sehr wenig Sauce da, die kann man einfach über den Tofu träufeln.
Das Einzige, was bei dem Rezept eventuell ein Problem darstellt, sind die fehlenden Hände, wenn man Chinakohl und Tofu gleichzeitig bearbeiten will. Aber nachdem ich das hingekriegt habe, schaffen das alle anderen Menschen auch. ;)
Der Chinakohl ist sicher durch alle möglichen anderen Gemüse ersetzbar. Im Originalrezept war kein Gemüse dazu vorgesehen, aber ich fand Chinakohl sehr passend.

Probieren sollte man dieses Rezept auf jeden Fall, denn es schmeckt köstlich! Der Weg zum Stufe 5-Veganer dauert aber noch ein bissi  ...



Montag, 20. April 2015

Balkonien im April

Vor ein paar Tagen hat mir Sandra mit ihren Balkongartenfotos große Lust gemacht, auch wieder einmal von meinem Balkonien Fotos zu zeigen. Essenstechnisch tut sich um diese Jahreszeit noch nie so viel, dafür tanzen viele Blüten im Sonnenschein. Es ist unglaublich, wie viel sich von Tag zu Tag ändert - vor allem, wenn die Sonne scheint. Da kann man richtig zuschauen, wie schnell alles wächst.

Zuerst zwei Fotos, wie derzeit der Zugang zu unserer Wohnung ausschaut:
Furchtbar ist die Vorstellung, dass hier nichts blüht! Beton pur wäre das.

Die Detailaufnahme zeigt, dass da einmal jemand Unkraut zupfen sollte ...



Und das ist nun alles Balkonien:
Drei neue Thymiansorten durften einziehen.

Unser dicker Vogel bewacht nach wie vor Balkonien

Voriges Jahr am Raritätenmarkt im Belvedere erstanden, dieses Jahr zeigt diese Narzisse ihre ganze Pracht.
Seit Herbst blühen die kleinen Stiefmütterchen durchgehend und bilden gerade einen ganz dicken Teppich.
Auch vom letzten Jahr vom Raritätenmarkt im Belvedere: Wildtulpen und gelbe Himbeeren

Diese Wildtulpen habe ich schon Jahre und sie kommen immer wieder und vermehren sich brav.

Das rosarote Herzerl blüht schon, das weiße lässt sich noch Zeit. Das Spalier schreit nach einem Anstrich!

Da sag einer, ich habe kein Deko-Gen! Wie fast alle Deko-Elemente war aber auch der Igel ein Geschenk.

Die Stachelbeere treibt aus, die ersten Erdbeeren blühen schon und in dem ganzen Chaos ist eine Tulpe aufgegangen.

Der Salat wird schon beerntet: Immer außen die größeren Blätter abzupfen, von innen kommen laufend neue.

Blumen hinter Gittern - das Grünzeug hat es nicht leicht in der Stadt

Bitte die duften! Wenn die Balkontüren offen sind, dann ist mein ganzes Arbeitszimmer voll mit dem Duft.

Und noch ein paar Tulpen.
Und jetzt ist vielleicht auch klar, warum ich derzeit nicht so emsig blogge: Am glücklichsten bin ich, wenn ich bis zu den Ellenbogen in der Erde herumkrabbeln kann. ;)