Montag, 29. Februar 2016

[Restaurant] Flatschers



Wir waren wieder einmal ganz schön essen, der Mann und ich. Nur wir zwei. Aus keinem bestimmten Anlass. Manchmal gönnen wir uns das. Und eine der liebsten Stellen für so etwas ist das Flatschers. Zuerst gab es ein Glas Prosecco. Klingt es nach romantischem Abend? No way! Das Flatschers ist immer gerammelt voll und die Leute drängen sich an winzigen Tischchen. Also für Romantik bleibt da unter Garantie kein Platz.

Aber wir sind auch nicht zweng der Romantik gekommen, sondern wegen des guten Essens. Und der Turbohausmann ein bissi wegen seines geliebten Pale Ales und ich wegen des guten Tonic Waters. Da stehen nur recht wenige Zutaten auf der Flasche und es klingt nicht so gruselig wie bei den meisten.

Zu Beginn gab es die Vorspeisenvariationen für 2: Jakobsmuscheln mit Rucola und gegrillter Cocktailparadeiser, Garnelen mit Limettenmayo und eine kleine Portion von dem legendär guten Beef Tatar. Was ich immer sehr schön finde: Es gibt anscheinend viele Leute, die keine Kapern mögen, das Beef Tatar ist perfekt abgeschmeckt, aber die Kapern liegen für Menschen wie mich daneben. Alles war super: Jakobsmuscheln und Garnelen innen noch glasig, alles gut gewürzt.

Jo, der Hauptgang! Wir haben uns Chateaubriand bestellt - 500 g! Mutig, wenn man bedenkt, dass wir ja nicht gerade wenig Vorspeise hatten und auch noch etwas Süßes für den Abschluss planten. Das nächste Mal wird es entweder nur diese Riesenportion und wir lassen alles davor und dahinter weg, oder es wird ein kleineres Steak.

Zum Fleisch kamen Gemüse und ein Erdäpfelgratin ... es geht weiter am nächsten Foto ...

... das sind zwei der drei Saucen, hier zu sehen Bearnaise und Cognacsauce, dann gab es noch rauchige Cocktailsauce, die es nicht aufs Fotos geschafft hat. Und weiter geht es mit der Hauptspeise am nächsten Foto ...

 ... ein nicht zu kleiner Kübel mit hausgemachten Pommes darf bei Flatschers nicht fehlen. Die Erdäpfeln sind nicht geschält, die Erdäpfelstifte wunderbar ungleichmäßig. Nix mit gepresst aus Erdäpfelmehl! Eindeutig frisch und händisch geschnittene Pommes, die auch schön knusprig sind.

Medium rare, genau so mögen der Turbohausmann und ich Fleisch am allerliebsten. Es war butterzart! Wie immer, wenn wir dort sind. Es gibt wirklich nur sehr wenige Lokale in Wien, die so schön Fleisch braten können.

Ja, Dessert, wieder eine Variation. Auf einem hübschen Ständer wie bei der Vorspeise kamen drei Tellerchen daher. Cheescake, das muss sein in einem amerikanisch angehauchten Lokal. Hat gut geschmeckt, vor allem mit der leicht säuerlichen Weichselsauce.

Tellerchen Nummer zwei: Schokomoussetorte mit marinierten Waldbeeren. Ein Traum für Schokoladeliebhaber. Ganz toll cremig, dazu die Knusperstreusel außen herum. Zum Niederknien!

Den Abschluss bildete eine Tonkabohnenschnitte. Dieser Abschluss war wirklich ein krönender. So intensiv im Geschmack und dennoch ganz zart und fein in der Textur. Jederzeit gern wieder.

Was es danach noch zu sagen gibt: Es hat alles sehr gut geschmeckt. Das Gemüse war schon recht weich, das kann man bemängeln. Unterm Strich steht auf jeden Fall ein ganz großes Plus.
Wir haben viel zu viel gegessen! Aber ich habe es schon geschrieben: Das ist kein romantischer Abend gewesen. Daheim sind wir dann hilflos wie die Käfer am Rücken gelegen, vollkommen bewegungsunfähig. Das kommt, wenn man ganzen Tag keine Zeit hat zu essen und dann hungrig wie ein Wolf in ein Lokal geht. Passend dazu gab es kürzlich im New Yorker das Married Kama Sutra ...

Was mir eine ganze besondere Freude war: Es gibt neben dem amerikanischen Flatschers, in dem wir waren, noch das französische Flatschers Bistro. Beide Lokale voll bis auf den letzten Platz. Um einen Tisch zu bekommen, muss man wirklich rechtzeitig reservieren. Beide Lokale sind sehr gut und die Preise kann man auf der Homepage sehen, die sind angemessen und wir haben gut Geld dort gelassen. Gleich daneben gibt es eine Filiale einer Billigsdorferburgerkette, da war gähnende Leere! Und das, obwohl die Gegend keine sehr noble ist. Es gibt also noch Hoffnung, dass wir auch in Zukunft noch solche Lokale wie das Flatschers haben werden.

Sehr liebenswert ist auf der Speisekarte ein Zitat von Woody Allen abgedruckt: "Ich hasse die Wirklichkeit, aber sie ist der einzige Ort, an dem man ein gutes Steak bekommt."

Freitag, 26. Februar 2016

Riesenschnecken



In letzter Zeit habe ich immer wieder Fotos von großformatigen Zimtschnecken in diversen Blogs gesehen. Nun finde ich ja immer, dass Zimtschnecken zu wenig Fülle haben, also habe ich mich ans Werk gemacht und habe eine Nussschnecke in der Pfanne gebacken. Und weil die so gut war, hat der Turbohausmann für den Sonntag drauf genau so eine Mohnschnecke eingefordert - was natürlich zur Folge hatte, dass er sich an der Mohnquetsche betätigen musste. Das ist nämlich ein mühsames Unterfangen, das sich aber in jedem Fall lohnt! Man kurbelt sich einen Wolf, aber frisch gequetschter Mohn ist einfach toll. Leider kann man dem Mohn ab dann quasi zuschauen, wie er ranzig wird, daher ist das etwas, was immer unmittelbar vor dem Backen gemacht werden muss.

Bei dem Kuchen gibt es nicht viel, was zu beachten wäre. Ein bissl mühsam ist das Einrollen einer so großen Schnecke in einer so kleinen Küche wie meiner. Ich habe den Teig auf vier Teile geteilt und so den Schneck immer größer gemacht. Eigentlich müsste es reichen, wenn man zwei lange Bahnen auswalkt, aber wenn ich das mache, hängt ein Ende in der Abwasch, das zweite liegt auf dem Herd. Daher meine zitzerlweise Rolltaktik, die ich nicht machen würde, wenn ich mehr Platz hätte.

Essenziell für die Fülle finde ich lediglich die Rosinen und zwar unbedingt über Nacht eingeweicht. Ich bin überzeugt, dass viele RosinennichtmögerInnen selbige lieber hätten, wenn man ihnen immer das Einweichen angedeihen lassen würde. Ich mag es gern, wenn man sie in Rum einweicht und nehme dann auch gleich den nicht aufgesaugten Rum mit zur Fülle. Wenn Kinder mitessen, machen sich Apfel- oder Orangensaft gut beim Einweichen.


Für den Germteig:
250 g Mehl (glatt oder Allzweck)
60 g Zucker
20 g frische Germ
4 Eidotter
ca. 1/8 l Milch,
80 g Butter, in Stückchen, zimmerwarm
Salz
1 TL Vanillezucker
Schale einer halben Biozitrone, fein gerieben

1 EL Butter, geschmolzen, zum Bestreichen des Schnecks1 TL Butter zum Aussreichen der Pfanne
Staubzucker zum Bestreuen


Nussfülle:
250 g gemahlene Walnüsse
125 g Zucker
25 g Butter
90 g Semmelbrösel (besser: Biskuitbrösel)
ca. 150 ml Milch
1 Hand voll Rosinen, über Nacht in Rum eingeweicht
Zimt
1 EL Marillenmarmelade

Zucker, Butter und Milch aufkochen, Nüsse, Rosinen, Zimt, Marmelade und Brösel dazugeben, alles gut verrühren. Wenn die Fülle zu trocken ist, noch ein wenig Milch dazurühren.
Auskühlen lassen.

Mohnfülle:
250 g Mohn, frisch gequetscht
100 g Zucker
75 g Semmelbrösel (besser Biskuitbrösel)
ca. 100 ml Milch
1 Hand voll Rosinen, über Nacht in Rum eingeweicht
1 EL Honig
Zimt

Zucker, Milch und Honig aufkochen, den Mohn dazugeben, ein wenig abrösten, Brösel, Rosinen, Marmelade und Zimt einrühren. Sollte die Fülle ein fester Klumpen sein, noch ein wenig Milch dazugeben.

Auskühlen lassen.


Für den Teig die Germ in lauwarme Milch bröseln und sehr gut verrühren, bis die Germ ganz aufgelöst ist. Alle Zutaten bis auf die Butter in die Küchenmaschine geben, zwei bis drei Minuten kneten lassen, bis alle Zutaten gut vermengt sind, dann stückchenweise die Butter hineingeben und noch ein paar Minuten kneten lassen, bis auch diese gut in den Teig eingearbeitet sind. Den Teig mit einem Geschirrhangerl zudecken und auf die doppelte Größe aufgehen lassen (dauert ungefähr eine Stunde). Dann den Teig mit der Faust einmal zusammenstoßen.
Die Pfanne mit der Butter bepinseln.
Arbeitsfläche bemehlen. Teig in 4 Teile teilen und zu einigermaßen gleich großen Streifen auswalken. Die Fülle auf die Streifen aufstreichen. Zuerst einen Streifen aufrollen, dann den zweiten drüberwickeln und so weiterarbeiten, bis alles zu einem Monsterschneck aufgerollt ist. Das Trumm in die Pfanne heben und flach drücken, bis die ganze Pfanne der Breite nach ausgefüllt ist. Hangerl drüber, noch einmal aufgehen lassen.
Backrohr auf  180 Grad vorheizen.
Schnecke mit dem Esslöffel Butter sehr gut einpinseln, ab damit ins Rohr und 30 - 35 min. backen, bis die Schnecke schön goldbraun ist.
Ein wenig überkühlen lassen, auf einen Teller gleiten lassen, mit Staubzucker bestreuen und am besten lauwarm essen.



Was es nach dem Essen zu sagen gibt: Es ist einmal eine andere Form, wie man Schnecken essen kann. Der Vorteil der großformatigen Zubereitung ist, dass der Germteig nicht so leicht austrocknet wie bei kleinen Schneckerln. Und dass es gut ist, muss ich eher nicht sagen, oder? Der Turbohausmann fordert selten ein, dass etwas so schnell hintereinander wiederholt werden muss, das ist also schon ein Qualitätsmerkmal. :)

Rezeptquelle: Das war einmal der Germgugelhupf aus dem alten Sacherkochbuch, aber da wird mit Dampfl gearbeitet, auch die beiden Füllungen habe ich von dort, aber beide ein bissl umgebaut.

Dienstag, 23. Februar 2016

Topinambur mit Lauch und Blunze

Wie man meinem Stichwortverzeichnis entnehmen kann, ist Topinambur nichts, was ich dauernd haben müsste. Vom Balkon habe ich ihn auch schon verbannt, was übrigens nicht so einfach war, denn mein erster Versuch der Ausmerzung sah so aus, dass ich einfach das Pflanzsubstrat weggeworfen habe. Es haben tatsächlich die Wurzelreste an der Topfinnenseite gereicht, dass der Topinambur ratzfatz wieder da war. Erst gründliches Schrubben des Topfs hat Wirkung gezeigt. Nun übernehme ich ab und zu einen CSA-Anteil, so bin ich zu einem Kilo Topinambur gekommen.

Warum ich den nicht mag? Er schmeckt ja wirklich sehr gut, der Topinambur. Der Grund ist eher ein windiger: Topinambur enthält Inulin und das bläht ganz arg. Genauer gesagt: Ich kenne nichts, was so schlimm bläht wie Topinambur. Man kann das ein bissl entschärfen, indem man Topinambur schält, aber die Schale ist in gegartem Zustand das einzige, was diese Knolle zusammenhält. Geschält zerfällt mir Topinambur immer in unansehnliche Bröckerln. Also koch ich Topinambur dann, wenn ich danach nicht mehr unter Menschen muss.

Aber Schluss jetzt mit diesen ernährungstechnischen Ausführungen. Ich habe im Guardian einige Nigel Slater-Topinambur-Rezepte entdeckt. Wenn jemand keine Blutwurst isst, empfiehlt er Chorizo oder Panchetta als Ersatz. Meine weltmeisterliche Blunze ist vom Dormayer - wie mir versichert wurde, auf jeden Fall von ehemals glücklichen Viechern.


2 Portionen:
1/2 kg Topinambur
3 EL Olivenöl
3 EL Butter
6 Stängel Thymian
1 große oder 2 kleine Stangen Lauch
300 g Blutwurst
1 Hand voll Petersilie
Salz

Topinambur unter fließendem Wasser ordentlich mit der Gemüsebürste schrubben, um die Erde wirklich aus allen Spalten herauszubürsten. Außerdem schrubbe ich dabei einen Teil der Schale weg - Grund siehe oben. Danach die Knollen abtrocknen und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Hälfte des Öls und der Butter erhitzen, Topinambur auf beiden Seiten braten, bis die Scheiben schön braun gebraten sind. Thymian von den Stielen zupfen, grob hacken und mit dem Topinambur mitbraten. Insgesamt dauert es ca. 10 Minuten, bis die Scheiben schön goldbraun sind. Dann alles aus der Pfanne nehmen, restliches Fett erhitzen und den in Scheiben geschnittenen Lauch bei mittlerer Hitze anbraten, dann langsam weich schmoren. Der Lauch soll weich werden, aber keine Farbe nehmen. Die Blunze in 2 cm dicke Scheiben, diese in mundgerechte Stücke schneiden. Wenn der Laub weich ist, Topinambur und Blunzenstücke wieder in die Pfanne geben. Alles erhitzen. Nigel Slater gibt nur mehr eine Hand voll grob gehackte Petersilie dazu, ich finde aber, ein bissl salzenist kein Fehler.


Manöverkritik: Ein sehr, sehr gutes Essen! Schnell gemacht, einfach zu kochen und so fein im Geschmack. Das ist es, was gute Rezeptautoren ausmacht, dass sie solche einfach wirkenden Kombinationen finden können, die sich dann so perfekt ergänzen. Nigel Slater ist schon ein ganz toller Vertreter der Kulinarik, dieses Rezept ist wieder ein Beweis dafür.

Freitag, 19. Februar 2016

[Buchbesprechung] Veranda Junkies

Na, juckt es euch Hobbygärtner auch schon so in den Fingern? Ich habe schon einige Stunden mit Gärtnern auf Balkonien verbracht und dabei wieder festgestellt, das macht genau so viel Spaß wie kochen. Jetzt hatte ich großes Glück, denn der AT-Verlag, der so schöne Bücher macht, hat mir wieder ein Buch zur Verfügung gestellt, nämlich Veranda Junkies von Cornel Rüegg und Sabine Reber.

Nun habe ich ja schon, ein, zwei (hust ...) Bücher zum Thema Gärtnern und speziell Gärtnern auf Balkonien. Das hier ist aber schon etwas Besonderes: Es ist wirklich sehr umfangreich - 320 Seiten! Und was es vor allem ist: entspannt. Die meisten meiner Gartel-Bücher sind alle schrecklich ambitioniert! Da wird zum Beispiel der Selbstversorger-Balkon angepriesen - ich würde gern sehen, welche Ausmaße in Balkon haben muss, damit man sich damit wirklich selbst versorgen kann. Hingehen bei den Veranda Junkies wird einfach drauflos gegartelt. Sei es auf einem Traum von 47 Quadratmetern Dachterasse oder auf einem Fenstersims. Der Spaß am Tun steht eindeutig im Vordergrund!


Man merkt teilweise, dass unerfahrene Hobbygärtner am Werk sind, es wird improvisiert und ausprobiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich! Auf vielen wunderbaren Fotos kann man sehen, wie die 15 vorgestellten Stadtgärtner unter teilweise widrigsten Umständen Städte, in denen sie wohnen, zum Blühen bringen, sei es auf einem Parkplatz oder einer Loggia. Das Buch ist auch ambitioniert genug, um Rezepte aus selbst Angebautem zu zeigen: Bier brauen ist wohl das ehrgeizigste Projekt. Ich werde dann im Frühling wohl den Zitronenmelissensirup ausprobieren.

Es finden sich viele tolle Tipps in dem Buch, die reichen angefangen vom Wurmkomposter über Bewässerung, Permakultur, Gartenwerkzeuge, Wirtspflanzen für Tiere, Dünger (bio, eh klar), Saatgut bis zur Schädlingsbekämpfung. Was mir besonders gefällt ist ein Übersichtsplan, was in welchem Monat getan werden kann  - niemals muss! Das Buch ist auch nie belehrend, was ich außerordentlich sympathisch finde. Es ist genau der Spaß, der auch mich antreibt beim Gärtnern: Sich die Hände in der Erde richtig dreckig zu machen, bis zum den Ellenbogen in den Töpfen stecken und schlussendlich mal ein Blümchen für den Tisch pflücken oder ein paar Erdbeeren für das Frühstücksmüsli ernten können.

Ich habe lange überlegt, welche "Veranda" ich vorstelle, was gar nicht so einfach war, weil alle GärtnerInnen sehr sympathisch rüberkommen und jedes Projekt mit so viel Herzblut verbunden ist. Nun suche ich einfach das aus, was wirklich allen Leuten zur Verfügung steht, nämlich das Fensterbrett. Von einer anderen Balkongärtnerin im Buch stammt das Zitat: "Die Engländer sagen, dass in einer einzigen Blumenkiste das Potenzial eines ganzen Gartens steckt. Das finde ich sehr passend." Die Besitzer des Fensterbretts, Nadine und Matthias, haben das Küchenfenster zu einem lauschigen Innenhof mit Bäumen und Sträuchern. Sie bekamen im Frühling zwei Jungpflanzen für Kohlrabi und Salat geschenkt und setzten diese in ihre beiden kleinen Kistchen, die ihr Fensterbrett schmücken. Sie haben außerdem noch einige Kräuter und eine Chili-Pflanze. Ich weiß nun nicht, ob ich gerade Salat und Kohlrabi pflanzen würde, wenn ich nur ein Fensterbrett zur Verfügung hätte, aber Kräuter und Chili auf jeden Fall, denn die kann man immer wieder beernten. Ich muss aber zugeben, dass die kleinen Kisterln mit den Salaten und den Kohlrabis schon verdammt idyllisch ausschauen!


Zum Abschluss verrate ich noch, was die Veranda Junkies auf der To Do-Liste für März stehen haben:
-) Kräuter, die einige Minusgrade aushalten können, kaufen: Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Oregano, Minze. Noch warten mit Koriander und Basilikum, die keine Kälte vertragen.
-) Gemüse (z. B.  Paradeiser, Paprika, Pfefferoni) oder einjährige Blühpflanzen säen (Joghurtbecher, in die man Abzugslöcher gestanzt hat - Abzugslöcher sind ein heißer Tipp von mir).
-) Erdäpfeln in Säcken oder Kübeln pflanzen
-) Zwiebel und Knoblauch pflanzen
-) Gut abgehärtete Setzlinge von Salat, Kohlrabi oder Roten Rüben beim Gärtner oder auf dem Markt kaufen.
-) Bärlauch und Brunnenkresse ernten
-) Gänseblümchen, Schlüsselblumen, Primeln und Stiefmütterchen (= Hornveilchen) ernten - das geht nur bei Biopflanzen! Also schon wieder ein Grund, warum man bio-balkongärtnern sollte.



Da mir das Buch so sympathisch ist, kommen nun noch ein paar Links, in denen man mehr nachlesen oder es kaufen kann:
derbuchhaendler.at - Gratisversand innerhalb Österreichs
Veranda Junkies - Link zum Verlag, bei dem Schweizer bitte bestellen
Hugendubel (inhabergeführte Buchhandlung) - Gratisversand in Deutschland

Von Sabine Reber ist übrigens ein weiteres Buch in Planung: Vom Beet in die Küche

Die Fotos stammen übrigens bis auf die Titelseite nicht aus dem Buch, sondern sind auf meinem Balkonien im Februar aufgenommen worden. Man sieht also, es wird auch in der grauslichen Jahreszeit nie fad beim Garteln.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.


Mittwoch, 17. Februar 2016

[Rettungsaktion] Fleischpalatschinken

Dieses Mal retten wir Palatschinken, Pancakes, Pfannkuchen oder wie immer die runden Dinger nun gerade in den verschiedenen Ländern heißen mögen. Wobei wir in der Rettungsgruppe wieder einmal gesehen haben, dass die Abgrenzung, was da nun wirklich dazugehört oder nicht, gar nicht so einfach ist. Aber wie immer sind wir guten Mutes und ich bin schon ganz gespannt, was da alles kommen wird.

Dass es fertigen Palatschinkenteig in der Plastikflasche zu kaufen gibt, weiß ich jetzt auch. Bitte bis ich im Supermarkt und wieder zurück bin, sind meine Palatschinken fertig und auch schon gegessen! Und das, obwohl ich den Supermarkt in fußläufiger Nähe habe und in fünf Minuten dort wäre. Da bin ich doch viel zu faul, dass ich so etwas extra kaufe. Und auch zu geizig, denn das kostet nicht einmal die Hälfte vom Fertigteig, wenn ich den selber mache.

Als wir diese Rettungsaktion geplant haben, musste ich feststellen, dass ich ganz unösterreichisch noch nicht viele Palatschinkenrezepte auf meinem Blog habe. Na zum Glück ist ja jetzt eine gute Gelegenheit. Vor allem hat diese Rettung meine Kocherei sehr beeinflusst: Wir haben jede Woche mindestens einmal Palatschinken oder Vergleichbares gegessen. So viel, dass sogar ein Posting für die liebe Anikó übrig war. Den Rest müsst ihr in den nächsten Wochen hier auf dem Blog aushalten. ;)




Für 4 Palatschinken:
80 g glattes Mehl
200 ml Milch
1 Ei
Salz
4 TL Butter zum Backen

Fülle für 4 Palatschinken:
300 g Faschiertes
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 kleine oder 1/2 Zehe Knoblauch, fein gehackt
150 g Sauerrahm
Salz
Pfeffer aus der Mühle
1 TL edelsüßen Paprika
1 EL Petersilie, fein gehackt
1 EL Öl zum Baten (z. B. Sonnenblumenöl oder Rapsöl)

Dazu passen Blattsalate.


Zuerst den Teig für die Palatschinken machen, denn der sollte durchziehen (so in etwa 20 min.). Dafür einfach alle Zutaten mit einem Schneebesen glatt rühren.
Backrohr auf 70 Grad vorheizen - da kann man die Palatschinken warm halten, während man die anderen bäckt. ;)

Für die Fleischfülle das Öl in einer Pfanne erhitzen, Fleisch zugeben, ebenso gehackte Zwiebel und Knoblauch. Braten, bis das Fleisch schön krümelig ist. Mit Salz, Pfeffer und Paprika würzen. Sauerrahm dazugeben, auf kleiner Flamme köcheln lassen. Ganz zum Schluss Petersilie einrühren.

Während die Fülle fertig gart, macht man die Palatschinken. Dafür eine Palatschinkenpfanne erhitzen, die muss wirklich gut heiß sein, denn sonst wird die erste Palatschinke nichts - das ist dann die vielbeschworene Opferpalatschinke, die aber nicht notwendig ist.

1 TL Butter in der Pfanne schmelzen, dafür die Pfanne vom Herd nehmen und die Butter in der Pfanne schwenken, bis sie gleichmäßig verteilt ist. So entsteht geschmacksintensive Nussbutter - würde man die Butter auf die am aufgedrehten Herd stehenden Pfanne schmelzen lassen, würde sie verbrennen. Wer sich nicht sicher ist, kann auch geschmacksneutrales Öl wie Sonnenblumenöl nehmen, das ist hitzestabiler. Mir schmeckt halt die Butter, gerade die Nussbutter besser.

Dann einen Schöpfer Teig hineingeben, die Pfanne hochheben und den Teig verrinnen lassen, bis die Pfanne gleichmäßig mit dem Teig bedeckt ist. Wenn sich der Teig beim Schütteln der Pfanne vom Boden löst, ist der Zeitpunkt gekommen, die Palatschinke zu wenden: Mutige wie der Turbohausmann schupfen sie in die Höhe und fangen sie mit der Pfanne, Feiglinge wie ich machen das mit einem Pfannenwender. Auch die zweite Seite hellbraun backen. Auf einen Teller legen und ins Rohr damit.

Auf diese Weise nacheinander die Palatschinken backen und sie aufeinander stapeln und im Backrohr warm halten. Wenn alle fertig sind, füllt man sie mit der Fleischfülle. Fertig. Essen. Na ja, man kann noch ein bissl gehackte Petersilie drüberstreuen, wenn man gut aufgelegt ist. :)


Rezeptquelle? Diese Fleischpalatschinken habe ich einmal bei meiner Freundin Gerda gegessen, seither gibt es sie immer wieder mal.


Die Zugabe: Man macht mehr Teig, den man aber stehen lässt und erst zu Palatschinken bäckt, wenn man die Hauptspeise gegessen hat. Die schöpferische Pause kann man in der Regel eh gut brauchen. Wie vorher lässt man einen Teelöffel Butter in der Palatschinkenpfanne zerschmelzen, gibt einen Schöpfer Teig hinein und brät die Palatschinke auf beiden Seiten hellbraun an. Dann füllt man jede mit einem Esslöffel Marillenmarmelade und bestreut sie mit Staubzucker.




Und nun freu ich mich auf die ganzen Mitrettungen bei #wirrettenwaszurettenist

SweetPie - Gorgonzola-Pilz-Pfannkuchen

Giftigeblonde - Klassische Palatschinken mit Marillenmarmelade

Summsis Hobbyküche - Buttermilchpfannkuchen

Obers trifft Sahne - Pancakes mit Apfel und Walnuss

Brittas Kochbuch - Herzhafte Pfannkuchen mit Rotkohlfüllung

kebo homing - Crespelle farcite

auchwas - Hauchdünne Pfannkuchen

magentratzerl - Buchweizengalette mit Sauce Mornay

Sakriköstlich - Bulgur-Pfannkuchen

brotbackliebeundmehr - Kartoffel-Pfannkuchen

multikulinarisches -  Eierkuchen mit Vogelbeer-Karamell

Food for Angels and Devils - Galettes

German Abendbrot - Herzhafter Palatschinken mit Boeuf Stroganoff

Anna Antonia - Banana Pecan Pancakes

Paprika meets Kardamom - Böhmische Palatschinken

Aus meinem Kochtopf - Blini mit Räucherlachs und Crème fraîche

Was du nicht kennst... - Blutorangenpfannkuchen

Fliederbaum - Böhmische Palatschinken

Unser Meating - Grünkohl-Pancakes

Montag, 15. Februar 2016

Mandarinenmarmelade



Mandarinen, richtige! Nichts geht über den Geschmack der kleinen orangen Freunde. Jetzt warat auch die richtige Jahreszeit. Im Februar geht es los, bis in den März hinein. Aaaaber sie sind dennoch nicht leicht zu bekommen. Schon gar nicht in Bioqualität, wie man sie für Marmelade natürlich braucht. Nämlich es war so: In meiner Kindheit gab es nur Mandarinen, richtige. Und niemand außer mir wollte die haben, weil sie eine Fantastilliarde Kerne hatten. Und dann ging man dazu über, diverse kernverweigernde Zitrusfrüchte einzukreuzen, da entstanden dann Clementinen, Satsumas oder wie immer sie gerade genannt werden. Auch Rudolfinen habe ich mittlerweile gesehen. Die sind alle nicht schlecht, aber den einzig wahren Geschmack haben halt richtige Mandarinen. Daher: Augen offen halten und schnell zuschlagen, wenn man welche sieht. Am besten gleich zwei Kilo kaufen, mindestens. Weil warum? Ein paar muss man sofort und auf der Stelle essen, man spuckt Kerne und flucht vor sich hin, aber erfreut sich an dem tollen Geschmack. Dann geht man hin und macht der Bushi ihr Mandarinen-Espuma. Und dann bitte diese Marmelade nachmachen, denn man will den Geschmack ja noch länger haben.


Für ca. 1200 ml:
1 kg Mandarinen (bio)
800 g Zucker
2 Zitronen (bio)

Gut gewaschene Mandarinen (ja, die ganzen) mit Wasser bedecken und 10 min. kochen. Abseihen und die Früchte überkühlen lassen. Halbieren, auspressen, dabei entkernen und den Blütenrest entfernen. Und wer denkt, dass er alle Kerne gefunden hat, der irrt! ;)
Saft, Fruchttrümmer und Zucker in einen Topf mit passendem Deckel geben. Alles aufkochen lassen. Zugedeckt mindestens 12 Stunden stehen lassen. Bei mir waren es 20 Stunden, was auch recht war. Nachdem die Früchte durchgezogen sind, findet man einige Kerne an der Oberfläche, nimmt die heraus, rührt durch, findet noch Kerne, findet noch Kerne, findet noch Kerne ... Okay, irgendwann findet man keine mehr, auch wenn man es dann gar nicht mehr glauben kann, dass da keine mehr sein sollen.
Kleines Tellerchen in den Kühlschrank stellen.
Deckel auf den Topf und 40 min. köcheln. Ich habe ab und zu umgerührt, aber das war eigentlich nicht nötig, weil der Topf ja zugedeckt ist und keine Flüssigkeit verdampft. Vom Herd ziehen, ein wenig überkühlen lassen und mit dem Pürierstab pürieren. Saft und abgeriebene Schale von den beiden Zitronen dazugeben. Noch einmal 5 - 10 min. köcheln. Nun kommt das gut gekühlte Tellerchen zum Einsatz: Marmelade drauftröpfeln. So, wie die Festigkeit der Marmelade auf dem Teller ist, wird sie auch später am Brot sein. Ist sie noch zu flüssig, köchelt man noch einmal 10 min. und testet erneut.
Die fertige Marmelade in sterilisierte Twist Off-Gläser füllen.

Sonnenaufgang!

Rezeptquelle: sz-magazin

Freitag, 12. Februar 2016

Kohlrabi in Estragon-Orangen-Sauce

Es gibt nur wenige Rezepte, die ich schon so oft nachgekocht habe wie dieses hier. Kaum rennt mir ein Kohlrabi über den Weg, zack, greif ich zu und mache als allererstes dieses Rezept. Also dann, wenn ich auch noch eine Bioorange und Estragon bekomme. Und beides ist erhältlich um diese Jahreszeit. Bioorangen eh in jedem Supermarkt, in Wien besser beim Signore Crupi oder bei Casa Caria. In Österreich gibt es derzeit beim Merkur Bio-Kräuter aus dem Seewinkel, im Topf, da ist selten aber doch Estragon dabei, sonst bei Bellaflora, auch im Topf. Lieber würde ich jetzt für Wien kleine Gärtnereien nennen, aber da wurde ich leider nirgends fündig. Wenn mir jemand einen Tipp geben kann, bitte her damit!

Was mich dieses Jahr angesprungen ist, ist Kohlrabi der Sorte "Superschmelz". Ich konnte es ja kaum glauben, als ich den ersten Superschmelz in Händen gehalten hatte: 1,2 Kilo! Meine erste Idee war, das Trumm muss verholzt sein. Aber ich hab dann ein bissl herumgesucht und herausgefunden, dass mein Superschmelz eh noch ein Baby ist, denn 8 Kilo pro Stück sind keine Seltenheit! Schmecken tut der übrigens hervorragend! Roh als Salat oder als Gratin,  immer hat er uns sehr gut geschmeckt.   


Für 2 Portionen:
2 Kohlrabi oder ein halber Kilo Superschmelz
20 g Butter
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
2 Schalotten, fein gewürfelt
150 ml Orangensaft
150 ml Geflügelfond
100 ml Schlagobers
1 EL Estragon, gehackt
Salz
Pfeffer
1/2 Bio-Orange; Schale abgeriebene
1 Prise Piment d'Espelette

Erdäpfelknöderl:
300 Gramm Kartoffeln, mehlig kochend
1 Eigelb
50 g Kartoffelstärke
25 g Butter, zimmerwarm
1 Prise Salz


Zuerst die Erdäpfel für die Zwergenknöderln zustellen: Schälen, in gleich große Stücke schneiden, in Salzwasser garen, ausdämpfen lassen. Erdäpfeln durch die Presse quetschen, am besten gleich auf die Butter drauf. Salz zufügen. Mit einer Gabel Butter und Eigelb in den Erdäpfelschnee einrühren, dann mit der Gabel das Stärkemehl einarbeiten. Kleine Knöderl formen und sie abgedeckt (Geschirrhangerl, Deutsche nehmen ein Geschirrtuch) im Kühlschrank ruhen lassen.

Wenn man einen Superschmelz zur Verfügung hat, dann quält man sich jetzt damit, das Monstrum auseinanderzuschneiden. Die Schale ist nämlich bei den Riesentrümmern unerfreulich dick. Das Schälen ist gar kein großes Problem, aber das Auseinanderschneiden schon. Normale Kohlrabi schält man wie immer. Bei normalen Kohlrabi behält man auch die kleinen Blättchen zurück, der Superschmelz hatte bei mir noch nie Blätter dran - die wären wahrscheinlich so groß, dass man sich im Sommer damit beschatten kann ...

Jetzt wär auch ein guter Zeitpunkt, Salzwasser für die Knöderln zuzustellen. Wenn das Wasser kocht, die Knöderl ca. 10 min. garen. Wenn sie an die Oberfläche steigen, sind sie fertig.

Den Kohlrabi in gleich große Spalten schneiden. Ich mag die Größe, dass man die Dinger genau einmal durchschneiden muss, dann passen sie perfekt in den Mund. ;) Die Butter in einer Pfanne schmelzen und aufschäumen lassen, Kohlrabi darin glasieren, Schalotten und Knofel dazugeben, kurz mit anschwitzen. Mit Gefügelfond und Orangensaft aufgießen. Kohlrabi garen, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Schlagobers dazuleeren und aufkochen. Falls vorhanden, die kleinen Kohlrabiblättchen fein hacken, Estragon ebenso, mit Orangenschale und Espelette in die Sauce rühren. Mit den Knöderln servieren.

Rezeptquelle: Chili und Ciabatta, das Original stammt von Johann Lafer



Dieses Rezept bringe ich nun bei Zorra vorbei, bei der derzeit ein Blogevent zum Thema Krautköpfe von Evchen kocht ausgerichtet wird. Kohlrabi ist eindeutig ein Kohlgewächs, auch wenn es nicht ein übliches Kohlgewächs in Krautform ist. Und kinderkopfgroß war mein Superschmelz allemal! Außerdem bin ich auch keine Deutsche - darf ich trotz all dieser Widrigkeiten mit dabei sein?


Blog-Event CXVI - German Krautköpfe (Einsendeschluss 15. Februar 2016)

Mittwoch, 10. Februar 2016

Wacholder-Zitronenconfit



Ja, Ottolenghi. Schon lange habe ich kein Rezept von ihm gepostet, dabei koche ich hinter den Kulissen dauernd aus seinen Kochbüchern, die mittlerweile alle bei mir wohnen und die meine Lieblingskochbücher sind. Dieses Rezept hier findet man im Guardian, wenn man gern nachlesen mag.

Wie immer habe ich ein Problem mit den Mengenangeben vom lieben Otto: 6 Zitronen wiegen bei ihm 790 g! Ich hab solche Riesenzitronen nicht zur Verfügung und musste schon einige mehr etliche mehr nehmen, um auf das Gewicht zu kommen.

Ein Trick vorweg: Wenn die Masse die passende Konsistenz hat, vom Herd ziehen und 10 min. stehen lassen. Das mache ich mittlerweile bei allen Zitrusmarmeladen mit Streifen von der Schale drinnen. Ich hab keine Ahnung, was in dieser Zeit passiert, aber wenn man das macht, dann verteilen sich die Schalen wie von selbst gleichmäßig in den Marmeladen.

Und Trick Nr. 2: Wie man Zitronen leicht entkernen kann, habe ich letztens schon beschrieben, aber sicherheitshalber noch einmal. Zitronen der Länge nach vierteln, den Mittelsteg herausschneiden, dann kann man die Kerne ganz leicht herauskitzeln.


Zutaten für 5 Gläser à 300 ml:
3 EL Wacholderbeeren
800 g Biozitronen, möglichst dünnschalige, perfekt sind Meyer
320ml Wasser
80ml Gin
1 kg Zucker

1 leerer Teebeutel


Ein kleinen Teller in den Kühlschrank stellen.

Einen Esslöffel Wacholderbeeren im Mörser ganz fein mörsern, noch besser warat eine Gewürzmühle. Dieses Pulver zur Seite stellen. Die restlichen Wacholderbeeren im Mörser anquetschen und dann in den Teebeutel einbinden.

Die Zitronen wie oben gezeigt der Länge nach vierteln, Steg herausschneiden, entkernen, in sehr feine Scheibchen schneiden. Zitronenscheibchen und den ausgetretenen Saft in einen Topf, zu dem man einen passenden Deckel hat, geben. Wasser, Gin und den Teebeutel mit dem Wacholder drinnen dazugeben, zum Kochen bringen. 40 min. zugedeckt köcheln. In dieser Zeit immer wieder umrühren und auf den Teebeutel drücken, damit sich das Aroma vom Wacholder in der Masse verteilt. Nach dieser Zeit sollten die Zitronenschalen sehr weich sein. Wenn man dickschalige Zitronen hat, muss man sie vielleicht noch länger kochen.

Teebeutel aus der Masse nehmen, Zucker, Gin und fein gemörserte Wacholderbeeren zu den Zitronen geben. Etwa 20 min köcheln. Nun nimmt man das kleine Tellerchen aus dem Kühlschrank, tropft ein wenig vom Confit drauf. So, wie sich das Confit auf dem Teller verhält, wird später auch seine Konsistenz im Glas sein. Will man es fester haben, köchelt man die Zitronen noch weiter, das Tellerchen wieder im Kühlschrank parken. Nach jeweils 10 min. weitere Tests machen.

Confit 10 min. stehen lassen, in sterilisierte Twist Off-Gläser füllen, zuschrauben.




Und was macht man jetzt mit dem Segen? Ist eher die Frage, was kann man nicht damit machen! Aber auch das ist zu beantworten: Auf ein Brot streichen und essen wie Marmelade, dafür ist es nicht geeignet.
Letztens habe ich hier schon Linsen mit Jakobsmuscheln und Zitronenconfit gezeigt, das war sehr gut; auch andere Fischgerichte und Meeresfrüchte kann ich mir gut damit vorstellen. Ganz hervorragend passt das Confit zu Roten Rüben.


Rote Rüben mit Knollenziest und Wacholder-Zitronenconfit


Rote Rüben mit Portulak und Wacholder-Zitronenconfit
Marinierte, geschmorte Hendlflügerl mit Wacholder-Zitronenconfit

Montag, 8. Februar 2016

Pasta mit karamellisierten Zitronen

Es gibt viele gute Rezepte, aber manche beinhalten alles, was man sich so erträumt: schmeckt himmlisch, geht superschnell, macht glücklich (1. Zitrusfrüchte, 2. Chili, 3. Nudeln). Und alles das ist in diesem Rezept versammelt.



Vor dem Kochen ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich das kurze Video über die Zubereitung anschauen muss: click Da wird nämlich genau gezeigt, wie man die Zitronen sehr einfach kernfrei bekommt. Ich kannte das auch nicht, aber gerade bei Meyer-Zitronen ist es kein Fehler, wenn man diese Schnitttechnik kennt, denn die Meyer sind immer voll mit Kernen. Falls aus irgendwelchen Gründen das Video nicht gehen sollte: Man schneide oben und unten das (quasi) Scherzel von einer Zitrone ab, viertelt die Zitronen der Länge nach und schneidet dann den mittleren Steg heraus. Das geht am besten wenn man die Zitronenvierteln hochkant aufstellt. Wenn dieser dickere Mittelstreifen heraußen ist, kann man die Kerne problemlos mit der Messerspitze herauskitzeln. Und damit sind auch alle Schwierigkeiten bei der Zubereitung geklärt.





Für 2 Portionen:
2 Zitronen
250 g Linguine oder Spaghetti
2 EL kaltgepresstes Olivenöl
Salz
1 Prise Zucker
1- 2 Esslöffel Butter
Chiliflocken - bei mir 1 Mokkalöfferl voll getrockneter Eigenbau-Thai-Chilis
Parmesan, gerieben, Menge nach Gusto
Schwarzer Pfeffer
½ Tasse Sellerieblätter, grob gehackt (von mir auf diese Menge erhöht)
⅓ Tasse Petersilie, grob gehackt (von mir auf diese Menge erhöht)
Meersalzflocken zum Drüberstreuen



Einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht, Nudeln reinschmeißen und bloß nicht zu weich kochen! Eine Minute vor dem perfekten Garpunkt herausnehmen, 1 Häferl Nudelwasser aufheben, Nudeln abseihen.

Aber so weit sind wir noch nicht. Man stellt außerdem noch einem kleinen Topf ungesalzenes Wasser zu.

Eine Zitrone dünn schälen und die Schale in Streifen schneiden oder direkt mit dem Zestenreißer die Schale in Zesten abziehen; selbige beiseite stellen. Diese Zitrone auspressen
Die zweite Zitrone wie oben beschrieben vierteln und entkernen, die Vierteln in dünne Streifen schneiden. Diese kleinen Zitronenscheiben müssen für 2 Minuten in das kochende Nichtnudelwasser, um Bitterstoffe herauszuziehen. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und auf Küchenrolle sehr gut trocken tupfen.
1 EL Olivenöl erhitzen, die Zitronenscheiberln in das heiße Öl geben, eine Prise Salz und eine Prise Zucker zugeben und braun braten. Nicht wie Zwiebel hell anschwitzen, sondern wirklich braten, bis die Zitronen an den Rändern gut gebräunt sind. Das dauert ein paar Minuten, dabei möglichst wenig rühren. Die gebräunten Zitronenscheiberln auf einem Teller zwischenlagern. Chiliflocken und Zitronenzesten in die Pfanne geben und erhitzen, bis alles duftet. Man nimmt das Nudelwasser und gießt es in die Pfanne zu den Chiliflocken, alles mit einem Schneebesen gut verschlagen. Die abgeseihten Nudeln in die Pfanne geben, ebenso Butter, Zitronensaft, karamellisierte Zitronenscheibchen und gehackte Kräuter. Die Nudeln die eine Minute lang, die die Pasta noch braucht, um perfekt gar zu werden, in der Pfanne schwenken.

Zum krönenden Abschluss etwas Parmesan, noch einen Löffel Olivenöl, Meersalzflocken und Pfeffer mitschwenken. Anrichten, essen.



Mehr als das zu sagen, was eh schon ganz am Anfang steht, kann ich nicht. Es wird auf jeden Fall ein Standardrezept in meiner Küche werden.




Weil die Meyer-Zitronen schon 2 Monate auf ihre Verwendung gewartet haben, darf dieses Rezept wieder einmal zu Frau Magentratzerls Dauerevent "Schatzsuche im Vorratsschrank".

Was man tun muss, damit sich Zitrusfrüchte lange halten? Gleich nach dem Einkauf aus dem Netz, falls ein solches vorhanden ist, und ab damit in die Gemüselade im Kühlschrank. Die letzte Meyer-Zitronenlieferung in Wien gibt es immer um Weihnachten herum. Zitrusfrüchte halten bis zu drei Monaten im Kühlschrank.

Samstag, 6. Februar 2016

Superknusper-Sauerteigbrot ohne Germ

Nun ist es passiert, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben vollkommen ohne Germ (=Hefe)-Zugabe ein Brot gebacken habe. Ich muss gestehen, das war keine Absicht. Irgendwann, als der Brotlaib schon wunderbar vor sich hin ging, kam ich drauf, dass ich die Germ schlicht und ergreifend vergessen hatte. Und siehe da, mein Sauerteig ist nun auch so stabil, dass er das bestens gepackt hat.

Wenn ich irgendwo Superknusper lese, dann muss ich mich gleich ans Werk machen. Noch dazu gibt es gerade einen tollen Anlass: Zorras Sauerteig hat Geburtstag! Am 6.2.2006 hat er das Licht der Welt erblickt und sie hat es tatsächlich geschafft, ihn über so lange Zeit am Leben zu halten. Das muss gefeiert werden. Und da Zorra auch so gern Knusperbrote hat, steuere ich dieses Rezept hier, das ich schon ziemlich abweichend umgewandelt habe, sehr gern bei.



Meine Variante vom Superknusperbrot schaut so aus:
50 g Anstellgut
450 g Roggenmehl (ich: halb Waldstaudenvollkornmehl, halb fein ausgemahlenes Roggenmehl)
225 g Weizenmehl (ich: glattes)
15 g Salz
1 EL Brotgewürz (meines ist von Babette's)

Anstellgut mit 1 EL handwarmem Wasser und 1 EL Roggenmehl wiederbeleben. Ca. 8 Stunden zugedeckt an einem warmen Ort stehen lassen. Bei mir ist das im Winter immer im Badezimmer, denn da steht die Waschmaschine direkt neben dem Heizkörper, da stelle ich Teige, die es warm mögen immer hin.
Am nächsten Morgen175 ml handwarmes Wasser mit 175 g Waldstaudenmehl und dem mittlerweile fröhlich vor sich hinblubbernden Sauerteig verrühren. Zudecken und wieder ca. 8 Stunden warm stellen.
Nach diesen weiteren 8 Stunden hat sich die Teigmenge vom Vorteig verdoppelt. Da kann man zum Beispiel einen Löffel davon nehmen, in ein Schraubglas geben und im Kühlschrank für die nächste Brotbackerei parken.
Restliches Mehl mit 275 ml Wasser, dem Vorteig, Brotgewürz und Salz vermischen und insgesamt 12 min. kneten. Ich habe meine uralte Kenwood Küchenmeister die halbe Zeit auf der kleinsten Stufe und die zweite Hälfte der Zeit auf der zweitniedrigsten Stufe kneten lassen. Der Teig, der ziemlich pickig ist, darf danach eine halbe Stunde zugedeckt ruhen.
In der Zwischenzeit eine Schüssel hervorholen. Ein Geschirrhangerl (Deutsche nehmen ein Geschirrtuch) mit Roggenmehl gut einstauben. Den Teig nach der Ruhezeit rund wirken und auf das Hangerl legen. So befördert man den Laib in die vorbereitete Schüssel - natürlich geht auch ein Brotsimperl, wenn das jemand hat. Das Hangerl locker über den Teig falten, nötigenfalls oben locker Plastik drauflegen, damit der Teig nicht austrocknet.
Nun darf der Teig 1 bis 2 Stunden aufgehen. Er muss mindestens die eineinhalbfache Größe erreichen.
Einen ofenfesten Bräter samt Deckel ins Backrohr stellen und das auf 250 Grad aufheizen. Wenn das Rohr heiß ist, den Bräter herausnehmen, den Laib hineinkippen, Deckel drauf, ab damit ins Rohr. Nach 30 min. auf 230 Grad herunterschalten, Deckel abnehmen, das Brot noch 15 min. bräunen lassen.
Vorsichtig das Brot aus dem Bräter kippen, auf die Unterseite klopfen. Hört sich das hohl an, ist das Brot fertig. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.



Die Kruste ist wirklich sehr knusprig. Es kracht so schön, wenn man aufs Brot drückt! Die Krume ist feinporig. Insgesamt ein wirklich feines Mischbrot mit einer feinen Würze.


Nun weiß ich gar nicht, ob Zorras Sauerteig einen Namen hat. Es gibt wohl Schneeweizchen und Roger, so viel ich informiert bin. Also Happy Birthday, ihr beiden! Und auf der Geburtstagsparty #sauerteigiwird10 feiert nicht nur Zorra, sondern etliche Blogger haben sich eingeladen und machen sich bei ihr breit:
Katha bäckt Frühstücksbrötchen mit Sauerteig
Brot backen, Liebe und mehr macht Kerniges Karottenbrot
Sandra From Snuggs Kitchen zimmert Grießbrot 
Frau Magentratzerl klöppelt Mischbrot mit Cidre
Meisterbäckerin Petra von Chili und Ciabatta liefert Sellerie-Sesam-Brot mit Buttermilch
Brotwein serviert Rustikales Bauernbrot
Von Anna Antonia kommt Sonnenblumen-Toast
Mehlstaub und Ofenduft zaubert Bomboloni 
Stephis Köstlichkeiten bringt Violettes Süßkartoffel-Buttermilch-Brot 

 

Donnerstag, 4. Februar 2016

Kümmelspäne

Ein Rezept aus dem Kochbuch Pikante Cracker möchte ich gern zeigen. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie einfach die Rezepte nachzubacken sind und was da Tolles herauskommt.


Zutaten:
100 g Butter
Salz
280 g glattes Weizenmehl
1 EL Backpulver
4 EL Milch

Zum Bestreichen und Bestreuen:
1 verquirltes Ei, Kümmel

Serviervorschlag: Jakobsmuscheln mit Wacholder-Zitronenconfit auf Linsen

Backrohr auf 200 Grad vorheizen. Butter und Salz flaumig rühren, abwechselnd das mit Backpulver versiebte Mehl und die Milch einrühren. Teig gut durchkneten, ausrollen und in Streifen radeln. Die Streifen zu Spiralen drehen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit Ei bestreichen, mit Kümmel bestreuen, 12 - 15 min backen.


Serviervorschlag: Roten Wintersalat zu den Kümmelspänen (Rezept beim Mädel vom Land)